Peer Steinbrück und die Arroganz der Netzgemeinde

Mal ehrlich, ist es wirklich wichtig, ob SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück twittert oder bloggt oder sich bei Facebook herumtreibt? Wenn er es täte, dann wüsste doch auch jeder zweite, dass er das von seinem Stab machen lässt und niemand regte sich darüber auf. So ist das eben, vielbeschäftigte Menschen haben oft keine Zeit für’s Authentischsein, Zugänglichsein, Dialogbereitsein im Social Web.

Peer Steinbrück (SPD)

Und doch wird sich nur 4 Tage nach Bekanntwerden der Kandidatur des nordisch-spröden Schnellsprechers drüber aufgeregt, dass er ja keine Ahnung vom Netz habe. Wie arrogant ist das denn? Seit wann ist ein Twitteraccount ein Kompetenzbeweis? Seit wann muss man ein Blog von innen gesehen haben, um zu wissen, welche Bedeutung das Internet für Wirtschaft und Gesellschaft hat?

Vergangene Woche beim Kommunikationskongress beklagte sich Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über die Medienmeute (er war sehr selbstkritisch drauf), die in immer kürzeren Abständen immer heftiger Personen des öffentlichen Lebens und der Politik auf’s Korn nimmt und auch bei kleineren Makeln oder Verfehlungen draufhaut, bis sich jemand aus der Öffentlichkeit wieder zurückzieht. Das sei nicht zuletzt „dem Druck aus dem Netz“ geschuldet, meinte die Diskussionsrunde auch

Bei Peer Steinbrück ist es nicht zu erwarten, dass er vor den Medien einknickt, er weiß sie zu nehmen. Aber vielleicht nehmen auch wir „Netzbewohner“ uns diesen Zwischenruf zu Herzen und uns die Zeit für eine wie mir scheint selten gewordene Tugend: Geduld.

Geduld mit Menschen, ihren Ideen und ihrer Art zu kommunizieren. Und wer weiß, vielleicht hat ja Peer Steinbrück doch die eine oder andere Idee, wie die Netzpolitik in Deutschland zu gestalten ist. Betätigungsfelder gibt’s vom Urheberrecht über die Abmahnindustrie bis zum internationalen Patentrecht genug.

(Bild: CC by Dirk@vonderstrasse.de bei Flickr)

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