Im Kopf

Ich will das nicht

Posted by Tapio on

Der Verlauf der Diskussion über den globalen Abhörskandal erinnert ich zunehmend an die die „fünf Phasen des Sterbens“ von Elisabeth Kübler-Ross.

Schon die ersten Enthüllungen von Edward Snowden waren so unglaublich, dass man sie – Phase 1 – nicht wahrhaben mochte. Als das Ganze etwas gesackt war, kam – Phase 2 – der Zorn auf die Umstände hinzu. Dann setzte die Ratio ein, und man versuchte, über die Sache zu verhandeln (politischer Druck, Aktivismus, Phase 3). Inzwischen habe ich das Gefühl, wir gleiten schon in Phase 4, die Depression, ein verzweifeltes Erstarren angesichts der Umstände über.

Was ich aber nicht möchte will, ist Phase 5: Die Akzeptanz. Die Akzeptanz dessen, dass wir vermeintlich staatlichen Organen ohne nennenswert wahrnehmbare öffentliche Kontrolle und Begrenzung ihrer Macht ausgeliefert sind.

In einer Demokratie sollten Bürger nie das Gefühl haben, irgendetwas schutzlos ausgeliefert zu sein. Schon gar nicht dem Staat, der sie laut Verfassung schützen soll.

Wenn jetzt in den USA Dienste für verschlüsselte E-Mail wie Lavabit und Silent Circles „Silent Mail“ ihren Dienst einstellen, weil der Druck der amerikanischen Behörden auf die Betreiber so hoch ist, dass ihnen nur noch die Flucht in den – um im Bild zu bleiben – Freitod bleibt, dann resignieren kluge Menschen vor ihrem eigenen Staat. Ein Staat, der Unternehmer unter Druck setzt, mit intransparent agierenden Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten zusammenzuarbeiten und sie zugleich ihres Rechts auf freie Rede beraubt, ein solcher Staat agiert totalitär. Das ist im Falle der USA – dem „Land of the Free“ – beängstigend und darf sich so in Deutschland nicht in ähnlicher Form ereignen.

Ich ertappe mich inzwischen regelmäßig bei der Nutzung von diversen Online-Diensten bei dem Gedanken, dass alles, was ich gerade tue von Maschinen, Algorithmen und womöglich dann auch Menschen gesehen, analysiert und bewertet wird. Die Schere im Kopf schneidet in mein digitales Leben ein. Ich will das nicht.

Ich will nicht – gerade als jemand, der mit Beratung auch im Digitalen sein Geld verdient – ständig mein Verhalten und meine Worte oder hochgeladenen Bilder oder die Wahl meines Aufenthaltsortes daran ausrichten müssen, was daraus möglicherweise abgeleitet werden könnte. Von Algorithmen, die mich nicht kennen.

„Die Gedanken sind frei, niemand kann sie erraten“, ja! Doch das Internet ist – dachte ich bis vor Kurzem – ein Ort wo sich freie Gedanken entfalten, gegenseitig beflügeln und zumindest in Demokratien ungehindert verbreiten können. Je tiefer sich die Schere im Kopf in mein, in unser Online-Verhalten frisst, desto weniger ist dieses Ideal noch wahr. Ich will das nicht.

Ich fürchte, wir – und damit meine ich alle Gesellschaften freiheitlich verfasster Demokratien, nicht nur die hochvernetzten Digitaleros – stehen vor der Wahl, das Internet wie wir es meinten zu kennen, jetzt sterben zu lassen und diesen Umstand nach einer langen Phase der Depression schließlich zu Akzeptieren; oder wir stellen uns darauf ein, Grundwerte, wie sie die deutsche Verfassung m.E. vorbildlich formuliert auch kämpfend zu verteidigen.

Am 22. September ist Wahl in Deutschland. Leider (oder zum Glück) gestaltet Politik auch noch andere Lebensbereiche, sodass die Wahl der richtigen Parteien diesmal komplizierter wird denn je. Doch ich persönlich werde dem Thema Netzpolitik und den Positionen der Parteien zum Thema Kommunikationsüberwachung durch Geheimdienste und Ermittlungsbehörden ein besonderes Gewicht geben. Eigentlich wollte ich das nicht. Aber es ist die deutlichste demokratische Form eines Kampfes für Werte, die mir wichtig sind.

 

Im Leben

75% Müller

Posted by Tapio on

In mir stecken 75% des Durchschnittsdeutschen. Wie langweilig! Ich bin Kaffeetrinker, Couchpotatoe, größer als der Schnitt und Smartphone-User. Nur heute habe ich mehr Bargeld in der Tasche als der Normalo-Müller und bin doch deutlich früher von zu Hause ausgezogen.

Wer sich selbst mal Müllern will: Hier beim ZDF gibt’s das Müllermeter zur TerraX Reihe.

Im Leben

Die Jugend von heute.

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„Solange Kinder und Jugendliche als Opfer neuer Medien dargestellt werden,
können wir sie nicht zu Helden der neuen Technologien machen.
Die sie sind.
Und die sie sein müssen.“

Tanja und Johnny Haeusler haben mit Netzgemüse
einen ganz und gar untypischen Ratgeber, ja mehr einen Erfahrungsbericht aus Elternsicht, über das furchtbar oft angstbesetzte Thema „Die Jugend und die neuen Medien“ geschrieben. Wann immer ich – zum Beispiel bei Seminaren zum Thema Social Web – Menschen begegne, die mit Argwohn auf dieses Internet schauen und sich besonders um ihre Kinder sorgen, empfehle ich das Buch. So auch hier. Weil es so wunderbar entspannt und mit Lust an der Kommunikation mit den eigenen Kindern geschrieben ist.

Den Gegenpart dazu, quasi den emotional aufstachelnden Einstieg ins Thema, liefert der Rant von Tanja und Johnny auf der re:publica.

Guckst du:

Im Leben

Champion’s League 2013: Der Pott gehört in den Pott

Posted by Tapio on

Fußballfans sind schon kurios. Vielleicht liegt es an meiner vergleichsweise sehr späten Fanwerdung (erst so Mitte/Ende zwanzig, nach 7 Jahren Leben im Ruhrgebiet), dass ich die absolute Verehrung des eigenen Vereins und die absolute Ablehnung, ja die Feindschaft zu anderen Vereinen, nicht so richtig nachvollziehen kann.

Klar, als Schalker bin ich leidenschaftlicher BVB-Gegner, das gehört dazu und mein erstes Derby in der Nordkurve in der diesjährigen Rückrunde war sensationell. Nicht nur wegen des 2:1 Heimsieges, sondern weil ich inmitten der absoluten Verehrer das sprichwörtliche Derbyfieber spüren konnte. Die ganze Kurve, das ganze Stadion schwitzten förmlich die Rivalität zum BVB aus. Man konnte diese Spannung riechen, fühlen und hören sowieso. Das war im Vergleich zu anderen Stadionbesuchen in der gleichen Kurve beeindruckend anders.

Nordkurve auf SchalkeNun wird die Zugehörigkeit zum eigenen Club für viele Menschen von einem quasireligiösen Gefühl begleitet. Und der Teufel existiert für einen Schalker nunmal gleich in zweifacher Form. Einmal in rot, beim FC Bayern München und einmal in bienemajaschwarzgelb bei Borussia Dortmund. „Nie im Leben würde ich zu Bayern gehn“, den Song der Toten Hosen (Fortuna-Fans wie man weiß) haben aber Schalker wie Dortmunder gleichermaßen (und überhaupt fast alle Fans anderer Clubs als des FCB) verinnerlicht. Entsprechen brutal sind die Reaktionen, wenn ein Spieler dann doch des Geldes, der sportlichen Karriere oder weil’s der Berater empfohlen hat, zu den Bayern wechselt. Manuel Neuer vor zwei Jahren, jetzt Mario Götze.

Und das ist die Stelle, wo es bei mir ausklinkt. Ich bin eben kein pseudoreligiös motivierter Fußballfan sondern einer, der das Spiel lieben gelernt hat und dem der sportliche Kampf samt Supportergetöse einfach tierisch Spaß macht. Wer von einem Spielertransfer – egal wie er zustande kommt und kommuniziert wird – persönlich beleidigt ist, hat mein Verständnis, weil ich nachvollziehen kann, dass für viele Menschen der Verein und die Mannschaft das Ein und Alles sind. Aber ich mache mir diese Haltung nicht zu eigen. Das ist nicht meins.

Die Champion’s League ist eine Liga für sich

Wenn es um den sportlichen Wettstreit geht, haben wir in Europa das Glück, dass mit Champion’s League der anspruchsvollste Mannschaftswettbewerb im Fußball weltweit vor unserer eigenen Haustür ausgetragen wird und mindestens 3 deutsche Mannschaften mit von der Partie sind. Schalke ist diese Saison trotz verkorkster Mittelstrecke in der Bundesliga in der CL ganz respektabel ins Achtelfinale gekommen und hat dort – wie so oft – durch eigene Nachlässigkeit und Dusseligkeit gegen Galatasaray Istanbul verloren. Das kommt vor, als Schalker ist man Kummer gewohnt.

Aber soll ich deshalb jetzt die CL ignorieren? Ich wäre ein schlunziger Fußballfan, wenn ich das täte. Jetzt könnte ich zum orthodoxen Reflex greifen und sagen, bevor die Zecken (der BVB) oder die Bauern (der FCB) den Pott gewinnen, sollen sie lieber von Real Madrid und Barcelona bis zur Besinnungslosigkeit tikitakatiert werden. Hauptsache die „Erzfeinde“ gewinnen nicht. Das ist natürlich Quatsch, denn schließlich kann ich mit auch als Schalker darüber freuen, dass die besten Mannschaften der Bundesliga zu den besten Mannschaften Europas und damit der Welt gehören.

Wer dem BVB den CL-Sieg nicht gönnt, ist entweder Bayer oder hat ein Herz aus Stein

Heute abend nun haben die Borussen den Einzug ins CL-Finale in Wembley geschafft, indem sie das Rückspiel gegen Real Madrid tapfer verloren haben. Das Hinspiel hat das wahre Potenzial dieser Mannschaft gezeigt und jeder, der Jürgen Klopp und seinen Jungs diesen (Zwischen-?)Triumph nicht von Herzen gönnt, hat selbst ein Herz aus kaltem Stein.

Und fast genauso ist es mit den Bayern. Sie haben die abgeklärteren Typen als Spieler und die seit Jahrzehnten kultivierte Attitüde des „mia san mia“, die man als Nicht-Bayer gern als Arroganz deutet, die aber nicht anderes heißt als: Wer wenn nicht wir kann und soll den deutschen Fußball über Jahre hinweg auf höchstem Niveau repräsentieren? Das dürfen die Bayern, sollen sie auch. Das macht sie für mich nicht unbedingt von Herzen sympathisch, auch wenn ich zugeben muss, dass im Laufe dieser Saison gerade die kurzen Einlassungen von Jupp Heynckes im TV doch so etwas wie Wärme vermitteln konnten. Dennoch, die Bayern haben die beste Liga-Saison aller Zeiten gespielt. Dafür gebührt ihnen jeder Respekt auch eines Schalke-Fans und der Platz in den ewigen Fußballstatistiken und Geschichtsbüchern ist ihnen eh sicher.

Wenn jetzt morgen Abend die Bayern auch noch gegen Barcelona die CL-Finalteilnahme klarmachen, kommt es zum wohl spannendsten Fußballduell seit achwasweißichwann. Nun habe ich als Schalker – ganz fan-orthodox gesprochen – die Wahl zwischen Pest und Cholera, welcher Mannschaft ich die Daumen drücken soll.

In diesem Fall folge ich meinem persönlichen emotionalen Bezug zum Ruhrgebiet. Ich habe da acht Jahre während des Studiums gelebt und dort nahm wie eingangs erwähnt meine späte Fanwerdung ihren Anfang. Für mich liegt es also – aller Liga-Erzrivalität zum BVB zum trotz – viel näher, den Borussen den Sieg in der Champion’s League zu gönnen als den Bayern. Verdient haben ihn, Stand heute, beide Vereine und die Fans beider Clubs. Die Dreimal-Vize-Saison der Münchner darf gern von einer wohl nicht zu toppenden Triple-Sieger-Saision vergessen gemacht werden. Das wäre sogar so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit – oder ein Zeichen der Güte des „Fußballgotts“ (noch so ein Götze! (pun intended)).

Doch wenn der Pott in den Pott käme, dann wäre das die hochverdiente Belohnung für den unwahrscheinlicheren Sieger. Den Club der (ehemaligen) Stahlstadt Dortmund, deren Menschen sich meiner Erfahrung nach in Lebenseinstellung, Herzlichkeit und zupackend handfester Art im Umgang miteinander kein Stück von Gelsenkirchenern, Bochumern, Essenern, Recklinghausenern oder Duisburgern unterscheiden.

Der Ruhrpott ist das Herz des deutschen Arbeiterfußballs. Und ohne seine Fußballvereine und deren über inzwischen mehr als 100 Jahre gewachsene Identität, die aufs Engste mit den Fans verwoben ist, würde dem deutschen Fußball, der jetzt im Rampenlicht Europas steht, eben das fehlen: Das Herz. Deshalb gehört der Pott am 25. Mai in den Pott.
PS: Und wenn beim nächsten Derby die Nordkurve wieder so jubelt, wäre mir das auch mehr als recht.

Im Leben

Unser blitzender Planet (Zeitraffer-Video)

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All Time-lapse sequences were taken by the astronaunts onboard the International Space Station (ISS) (Thanks guys for making this available to the public for use!) All footage has been color graded, denoised, deflickered, slowed down and stabilized by myself. Clips were then complied and converted to 1080 HD at 24 frames/sec.

Some interesting tidbits about the ISS. It orbits the planet about once every 90 mins and is about 350 Km/217 miles. The yellow/greenish line that you see over the earth is Airgolw.

Hope you all enjoy it and thanks for watching!

P.S. It would be a dream to actually be up there in the ISS. Btw NASA, if you need a Biochemistry Ph.D to do some work for you up there, I’m your man, LOL!

Music: "Manhatta" composed & performed by “The Cinematic Orchestra”
https://itunes.apple.com/us/album/cinematic-orchestra-presents/id527221766
All rights reserved to their respective owners.

Edited by: Bruce W. Berry @ Website: http://www.bruce-wayne-photography.com/

Image Courtesy of the Image Science & Analysis Laboratory,
NASA Johnson Space Center, The Gateway to Astronaut Photography of Earth
eol.jsc.nasa.gov
http://eol.jsc.nasa.gov/Videos/CrewEarthObservationsVideos/
nasa.gov/multimedia/hd/
http://earthobservatory.nasa.gov/

Footage Note: The slower video represents a closer resemblance to the true speed of the International Space Station; this footage was shot at one frame per second. Clips are all marked with an *.

Locations of Footage in the order they appear:

1. A Jump over the Terminator
2. Sarychev Volcano
3. From Turkey to Iran*
4. Hurricane Irene Hits the US
5. Indian Ocean to Pacific Ocean Through the Cupola*
6. Central Great Plains at Night*
7. Aurora Borealis over the North Atlantic Ocean*
8. Aurora Borealis from Central U.S.*
9. Up the East Coast of North America*
10. Myanmar to Malaysia*
11. Western Europe to Central India
12. Middle East to the South Pacific Ocean
13. Aurora Borealis over Europe*
14. City Lights over Middle East*
15. European City Lights*
16. Northwest coast of United States to Central South America at Night
17. Moonglow over Canada and Northern U.S.*
18. Stars from the Pacific Ocean (1)
19. Stars from the Pacific Ocean (2)
20. Stars from the Pacific Ocean (3)
21. Stars and the Milky Way over the Atlantic*
22. The Milky Way and Storms over Africa (1)
23. The Milky Way and Storms over Africa (2)

Im Kopf

Sechs Denkanstöße aus gegebenem Anlass (mit Bonus)

Posted by Tapio on
  1. „Social Media Beratung“ ist kein Geschäftsmodell.
  2. Das Bohren dicker Bretter ist keine Frage der Kraft, sondern der passenden Technik.
  3. It’s not about the ME in Media, it’s about the WE in Web.*
  4. „Risiko“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Klippe. Wohl dem, der weich landet, wenn er springen muss.
  5. Große Egos und erfolgreiche Teams sind ein Widerspruch (schrieb ich schon hier).
  6. Lautsprecher gehören vor die Bühne, nicht auf die Bühne

Bonus:

„Ever tried. Ever failed. No matter. Fail again. Fail better.“
(Samuel Beckett)

 

 

*Der Satz ist nicht von mir. Wer die Quelle weiß, möge sie in die Kommentare packen.

Im Leben

Vernachlässigte Tugenden

Posted by Tapio on

Tugend, das klingt so staubig, so konservativ. Ich ertappe mich dabei, dass mir das Wort unwillkürlich ein paar Nackenhaare hochstellt. Das muss der ewige Teenager in mir sein. Und doch hat mich das Leben in letzter Zeit gleich mehrfach mit Tugenden, bzw. ihrem Fehlen konfrontiert. Im beruflichen Kontext, da wo Tugenden meines Erachtens besonders zählen, weil sie etwas über die Menschen aussagen, die sie beherzigen – oder eben nicht.